Montag, 26 März 2018 20:37

Die Situation beim TEV Miesbach zum Ende der Saison

geschrieben von
Artikel bewerten
(4 Stimmen)

Interview zur Situation beim TEV Miesbach zum Ende der Saison

 

Herr Taffel, Markus Wieland wird den TEV Miesbach im Frühsommer verlassen. Überraschend für Sie?

Nein, ganz und gar nicht. Wir verstehen sehr gut, dass er sich beruflich und persönlich noch einmal weiterentwickeln möchte, und werden ihm dabei auch helfen, wenn wir können. Er wird uns auch nicht ganz verlassen, sondern mithelfen,  wenn er es zeitlich einrichten kann. Der Blosä war ein Glücksfall für uns und bleibt auch weiterhin ein TEV’ler.

Wie wird es nun in der Geschäftsstelle weitergehen?

Zunächst einmal wird ja Özlem Meineke auch weiterhin in Teilzeit dort arbeiten. Die vielen Aufgaben, die Markus erledigt hat, werden wir aber anders verteilen. Für die Organisation und Administration suchen wir derzeit intensiv nach jemandem mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund,  Organisationstalent und Managementambitionen.  Ab August bekommen wir mit der Antonia Schäffler als FsJ’lerin zusätzlich Verstärkung.

Also kein „Mädchen für alles“ mehr?

Nein. Mit dem Markus war vor zehn Jahren unser erster Vollzeit-Mitarbeiter überhaupt in der Geschäftsstelle. Damit haben wir den Verein professioneller aufgestellt und viele Mängel der rein ehrenamtlichen Organisation des Vereins und des Stadionbetriebs früherer Jahre behoben. Allerdings sind die Aufgaben mit den Jahren nicht nur umfangreicher geworden, sondern vor allem auch komplexer. Der Betrieb des Stadions ist alleine schon fast ein Full-Time-Job, dazu kommen unsere Aktivitäten für Schulen und Kindergärten, Eislaufschule, das Tagesgeschäft einer Geschäftsstelle und die vielen Events, die wir mittlerweile selbst veranstalten oder an denen wir uns beteiligen. Das ist so gewachsen und gehört neu strukturiert.

Sie erwähnten gerade das Stadion. Auf der Jahreshauptversammlung deuteten Sie an, dass hier wieder Investitionen anstehen sollen?

Sollen? Müssen! Dieses Stadion verursacht immense Kosten. Die steigen so schnell, vor allem die Energiekosten, dass wir nun an einem Punkt angekommen sind, wo sich für uns die Frage nach dem „wie geht’s weiter“ ernsthaft stellt. Jeder Hausbesitzer weiß, dass er seine vier Wände permanent pflegen und in Schuss halten muss und die Reparaturen und Ersatzinvestitionen nie aufhören werden. Und eine Eishalle ist diesbezüglich ein sehr anspruchsvolles Gebäude. Jede  Pflegemaßnahme, die wir aufschieben müssen, wird zur Reparatur, ohne Reparatur irgendwann zur Sanierung und ohne Sanierung irgendwann zur Neuinvestition. Und dabei greift die berüchtigte Zehnerregel: Auf jeder Stufe erhöhen sich die Kosten um den Faktor 10.

Was bedeutet das konkret?

Energetisch sanieren und damit Kosten sparen. Unser Energieverbrauch von September bis März entspricht dem von 33 Einfamilienhäusern im ganzen Jahr. Nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern auch ein ökologischer Wahnsinn. Gemeinsam mit unserem Ingenieurbüro und Fachfirmen haben wir Ideen entwickelt, wie wir bis zu 50 % davon einsparen können. Derzeit prüfen wir alle Fördermöglichkeiten, um anschließend die Finanzierung rechnen zu können. Alles zeitintensiv,  langwierig, bürokratisch und vor allem eine sehr große Verantwortung. Eine Fehlentscheidung darf es bei Investitionssummen im hohen sechsstelligen Bereich nicht geben. Damit sparen wir laufende Kosten – erstmal nur im Tausch gegen Zinsen und Tilgung – aber wir gewinnen Zeit bis zur nächsten Maßnahme – und die wird kommen.

Eigentlich „Quo vadis Eishalle Miesbach“ also?

Durchaus. Wir stehen  permanent vor der Frage, wie wir dieses mehr als 30 Jahre alte Stadion und den doppelt so alten Anbau nicht nur halbwegs funktionstüchtig halten, sondern wie wir diese Sportanlage zukunftsfähig erhalten. Alle Maßnahmen bestreiten wir ehrenamtlich oder in Teilzeit – alle aus Vereinsmitteln und Zuschüssen. Das reicht nicht mehr. Einige Teile des Stadionkomplexes werden nur noch andauernd repariert, besser gesagt geflickt. Und unsere Mittel dafür werden von den Energiekosten regelrecht aufgefressen. Die steigen jedes Jahr und damit bleibt jedes Jahr weniger übrig, um es für Vorsorgemaßnahmen und Reparaturen aufzuwenden. Auch wenn wir jeden Cent „dreimal umdrehen“ und seit Jahren eine „schwarze Null“ irgendwie hinbekommen – irgendwann geht das nicht mehr und da stehen wir nun. Die Frage, ob es in Miesbach auch zukünftig eine Eissporthalle geben wird und unter welchen Voraussetzungen, werden wir stellen müssen. Mit dieser Frage habe ich den Verein schon übernommen und wir haben bislang immer eine Antwort gefunden – ich bin also zuversichtlich, dass niemand ernsthaft den Weiterbestand des Eissports in Miesbach in Frage stellen möchte.

Trotzdem wird der TEV heuer 90 Jahre alt. In Anbetracht Ihrer Schilderungen außergewöhnlich und im deutschen Eishockey äußerst selten.

Ja, in der Tat. Da haben Generationen von Verantwortlichen offenbar ganz viel richtig gemacht.

Ein Grund zum Feiern also?

Im Rahmen unserer Möglichkeiten, und unserer Mentalität entsprechend. Eher bescheiden, dankbar, fast ein bisserl demütig und im „engsten Familienkreis“ mit unseren Mitgliedern und Aktiven, Mitmachern und Partnern am 15. April bei uns zu Hause im Stadion. Dazu laden wir alle ein, die sich mit uns freuen. In der Vereinslandschaft im Eishockey ist das „Älterwerden“ per se schon eine Leistung. Darauf werden wir anstoßen. Ansonsten freuen wir uns mit der Stadt Miesbach über ihr Hundertjähriges.

Zum sportlichen Aspekt des vergangenen Jahres. Zur Oberligasaison wurde ja schon viel gesagt und geschrieben. Sie selbst haben sich da bislang eher zurückgehalten. Warum?

Die erste Mannschaft ist - auch wenn das natürlich in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen wird – operatives Tagesgeschäft und nicht der TEV alleine. Dafür haben wir beim TEV die engagiertesten und qualifiziertesten Personen in der Verantwortung, die man sich nur wünschen kann. Die Oberliga war ein Experiment, also solches überaus lehrreich und deshalb nicht nur negativ zu sehen. Wir haben finanziell nichts riskiert, am Verein keinen bleibenden Schaden verursacht und vor allem viel gelernt. Nämlich, dass wir Amateursport betreiben und damit im Profisport so nichts verloren haben. Mit gerade mal einem Zehntel des Etats einiger Gegner haben wir mitgespielt und nicht immer so deutlich verloren, wie es dieser Unterschied in den Möglichkeiten eigentlich bedingt hätte. Schade für die Verantwortlichen, für die Trainer und für die Spieler. Das „Modell Miesbach“ – Einheimische und eigener Nachwuchs - ist dadurch für mich eher noch bestätigt worden. Um in der Oberliga mitzuspielen, brauchst du Profis, Importspieler anderen Kalibers und vor allem ein freies Budget, dass du mit einem eigenen Stadion einfach nie hast.

Apropos Einheimische. Wie zufrieden sind Sie mit dem Abschneiden der neuformierten Spielgemeinschaft Schliersee / Miesbach 1b in der Landesliga? Hatte man dort nicht mehr erwartet?

Die Entscheidung zu dieser Konstellation war vielleicht eine der wichtigsten, die wir im letzten Jahr getroffen haben. Mit unserer U23 eine ganze Spielklasse im Erwachsenen-Eishockey, die Bezirksliga, zu überspringen, und gleich in der Landesliga anzutreten, war riskant, hat sich aber als richtig erwiesen. Erstens wären viele unserer Spieler in diesem Alter wie so oft in der Vergangenheit abgewandert, wären abgeworben worden oder hätten vielleicht sogar aufgehört, weil es ja in Miesbach keine unmittelbare sportliche Perspektive gegeben hätte. Wir haben also 25 größtenteils langjährige und im Nachwuchs erfolgreiche Miesbacher im Verein gehalten. Und zweitens verlängern wir damit die Zeit, die wir einem Spieler zur Entwicklung hin zu einem potenziellen Seniorenspieler geben, um Jahre. Und drittens hat sich die Mannschaft den Spielbetrieb selbst finanziert.

Wenn man zweimal U23 Meister und Mannschaft des Jahres im Landkreis wird, sind die Erwartungen  hoch,  aber im ersten Jahr unrealistisch. Ich hoffe, dass wir mit unserer 1b in den nächsten Jahren noch viel Spaß haben werden und wir die Früchte dieser Arbeit in der Zukunft ernten werden.

In anderen Nachwuchsteams lief es teilweise nicht so gut. Einige Spieler haben den Verein verlassen. Woran liegt’s?

Hochklassiges Nachwuchseishockey ist eine anspruchsvolle und kostenintensive Herausforderung. Wir schaffen es in einem Jahr, 30 bis 40 Kinder neu für den Eissport zu begeistern, und fünf Jahre später sind davon noch 15 dabei. Dazwischen passiert halt sehr viel. Persönlich, schulisch, familiär und auch sportlich. Unsere Nachbarvereine mit den großen Namen freuen sich jedes Jahr wieder, einige gut ausgebildete Miesbacher integrieren zu können. Mit noch größeren Anstrengungen und personellen Verstärkungen werden wir hier zukünftig noch professioneller werden.

Auch wenn es nicht bei allen Teams zu Spitzenplätzen gereicht hat, bin ich sehr stolz auf diesen Nachwuchs. Der U8/U10-Spiderscup war ein tolles Beispiel dafür, was wir hier in Miesbach auf die Beine stellen können. Genauso übrigens auch auf den Nachwuchs im Eiskunstlauf. Großartig, was auf der Eiskunstlaufgala geboten wurde.

Herr Taffel, was wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft beim TEV Miesbach?     

Wenn ich mit den Vorständen anderer Vereine zusammentreffe, wird am liebsten ausgiebig über den Sport, Tabellenplätze, spektakuläre Neuverpflichtungen gesprochen und von Finanzspritzen großzügiger  Großsponsoren geschwärmt. Ich bin immer derjenige, der von Kindern, vom Sparen, vom Brandschutz oder LED-Beleuchtung spricht. Vielleicht erweitert sich ja auch mein Themenspektrum irgendwann mal – toll wär’s. 

Gelesen 1833 mal
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten

AN/-ABMELDUNG

WER IST ONLINE

Aktuell sind 509 Gäste und keine Mitglieder online

Nach oben